Vor dem Verschwinden


Unterhaltungsindustrieller Komplex   

Nach Meinung des Verfassers zeichnet sich der Komplex, der im Zentrum von Neu-Isenburg als Gemeinschaftshaus errichtet wurde, mit dem auf dem Areal befindlichen Verbund von Gebäuden und Außenbereichen durch eine faszinierende Vereinigung von ausgesprochen außergewöhnlichen Merkmalen aus, die anderenorts in dieser Weise nicht anzutreffen sind.  

Leider stehen weder die Anlage als Ganzes noch Teile davon unter Denkmalschutz. Es ist damit zu rechnen, dass die genannte Anlage schon bald nicht mehr existieren wird. Der Verfasser schätzt ein, dass in absehbarer Zeit auf dem Areal ein unterhaltungsindustrieller Komplex entstehen wird, der mit einem Shoppingcenter-Komplex sowie mit einem Hotel-Komplex verknüpft und infrastrukturell direkt mit dem benachbarten Flughafen Frankfurt verbunden sein wird. Das Ganze bildet dann einen Teil der “Airport City“. Darauf deuten nicht zuletzt die architektonischen Pläne hin, die als Grundlage für den Neubau dienen sollen und die 2024 öffentlich gemacht wurden.

Immobilienwirtschaftlich motivierte Manöver

Die gegenwärtig noch bestehende Anlage wurde zwar vor gerade einmal 50 Jahren in einer äußerst soliden Bauweise errichtet und ist auf eine lange Nutzungszeit hin ausgerichtet. Im Innenbereich wurden zudem umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen vorgenommen. Bauten und Plätze können nach wie vor in absolut geeigneter Weise dem am Gemeinwohl orientierten Zweck, der die Basis für die Errichtung der Anlage bildete und der nach wie vor bindend besteht, gerecht werden.

Die baulichen Strukturen der Anlage sind in gutem Zustand, wenngleich eine Sanierung sicherlich notwendig ist. Es fällt auf, dass die Stadt von dem wenig wissen will. Die Anlage wird in der Öffentlichkeit zur Ruine abgestempelt und ohne Not schon bald geschlossen. Indessen werden die industriegetriebenen Pläne nach wie vor nicht offengelegt und sind daher auch nicht in der öffentlichen Diskussion. Anstelle dessen werden immer wieder Erwägungen verbreitet, die anscheinend dazu herhalten sollen, die maßgeblichen Sachverhalte zu übertünchen. So wird z. B. der Eindruck erweckt, es gehe lediglich um einen Umbau, etwa mit dem Ziel, die Stadtbibliothek zu modernisieren oder um den Umzug des Stadtarchivs auf das Gelände zu ermöglichen.     

Täuschung der Öffentlichkeit

Der Vergleich der Daten macht deutlich: Sämtliche Außenwände des Neubaus werden sich an anderer Stelle befinden als dies jetzt der Fall ist. Die Baukörper werden in Höhe, Breite und Tiefe erheblich andere Dimensionen aufweisen als dies bisher der Fall ist. Die Außenbereiche werden marginalisiert oder verschwinden. Der Eingang zum zentralen Veranstaltungsraum wird verlegt: Die dominierende Öffnung besteht dann zur privatwirtschaftlich ausgerichteten Sphäre eines großen Einkaufszentrums und nicht mehr zur Frankfurter Straße als Teil des Öffentlichen Raumes der Stadt.

Wenn von der derzeit noch bestehenden Anlage einige wenige Fragmente – etwa Teile des Bodenbelages oder Teile der Innenauskleidung der Decke – herausgepickt werden, um sie in den Neubau als Zitate zu integrieren, dann erinnert dies an eine Praxis, wie sie beim Bau des Sony-Center in Berlin am Potsdamer Platz mit dem Einbezug eines Fragmentes des ehemals dort befindlichen Hotels Esplanade zur Anwendung kam. Dies rechtfertigt jedoch keineswegs, in Bezug auf das Vorhaben als Ganzem von „Umbau“, „Erweiterung“, „Sanierung“ oder „Weiterentwicklung“ zu sprechen. Mit einer solchen Darstellung wird die Öffentlichkeit getäuscht.